Trimaran, Katamaran oder Einrumpfyacht für Langfahrt?

Trimaran, Katamaran oder Einrumpfyacht für Langfahrt?

10. Januar 2023 0 Von claudia und jürgen

Ist eigentlich ein Trimaran, ein Katamaran oder eine Einrumpfyacht für Langfahrt ideal? Du suchst die passende Blauwasseryacht für dich und bist dir nicht sicher, wofür du dich entscheiden solltest? Wir geben dir ein paar Gedankenanstöße:

Mindestens zwei grundlegend verschiedene Langstreckensegel-Typen sind heute mit Mehrrumpfbooten unterwegs sind: 

Zum einen handelt es sich um Crews, die Spaß am sportlichen Segeln in warmen Revieren haben. So haben wir zum Beispiel eine Familiencrew kennengelernt, die mit ihrem selbstgebauten Wharram-Katamaran ausgedehnte Mittelmeerreisen unternommen haben. 

Welcher Katamaran passt zu dir und deinen Plänen?

Katamaran für Individualisten. Warum Katamarane sind weder Raumwunder noch bieten sie dem Segler Schutz. Und dennoch bleiben sie für manche Segler ihre bevorzugte Yacht.

Für die vierköpfige Familie vereinte der Kat sportliches Segeln mit minimaler Technik und maximaler Sonnenfläche und garantierte so für viel Spaß entlang ihrer Segelrouten. 

Auch haben wir eine Familie kennengelernt, die an Bord ihres Trimaranes eine Weltumsegelung unternommen haben. Sie lobten vor allem die schnellen Überfahrten über Ozeane. Das Segelpaar schätzten die unproblematischere Wetterplanung, da sie durch ihre großen Etmale kürzere Zeit auf Hochsee verbringen mussten. Wenig Platz und geringe Zuladung ihres Trimarans nahmen sie dafür gerne in Kauf.

Trimaran für Fahrtnsegeln

Trimarane sind auf den Blauwasser-Ankerplätzen nur noch selten zu sehen.

Die größere Gruppe an Katamaranseglern auf Weltreise haben andere Vorlieben: 

Sie haben den Katamaran als ideale Blauwasseryacht gewählt, da sie ein geräumiges Wohnschiff mit großzügigen Außenflächen bevorzugen. Die Sportlichkeit ihrer Blauwasseryacht steht für diese Eigner nicht an erster Stelle.

Wir konnten beobachten, dass die Mehrheit dieser meist älteren und finanziell unabhängigeren Eigner ihre Höhepunkte in langsamen Reisen und Leben an Bord in tropischen Destinationen sehen. 

Zwischen flotten Überfahrten werden lange Liegezeiten eingeplant, ihre ideale Blauwasseryacht sollte maximalen Platz bei geringer Bewegung bieten. Der gedeckte Tisch sollte auch bei gemütlichen Überfahrten nicht durch Lage bedroht werden und schöne, sonnendurchflutete Räume sind der reine Genuss. 

Katamaran für Weltumsegelung

Katamarane eignen sich am Besten für Segelreisen in die Tropen. Sie bieten schönen Wohnraum und eine große Sonnenterrasse. Und sie bieten genug Platz, wenn du mit Crew, Mitsegler oder Chartergästen unterwegs sein möchtest.

Eigner großer, moderner Katamarane erklärten uns, dass sie gerne Platz für Freunde und Gäste an Bord haben, Überführungen ins nächste Reiserevier werden oft mit Crew unternommen.

So sehr sich die Ansprüche dieser Katamaran und Trimaransegler unterscheiden, so sehr unterscheiden sich nach unserer Beobachtung auch ihre Yachten: 

Einerseits sportliche Mehrrumpfyachten mit geduckten Linien und hohe Riggs mit hightech Segel, andererseits große Fahrtenkatamarane mit hohen Aufbauten, großem Deckaslon und luxuriösen Kojen.

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Beide Varianten können ideale Blauwasseryachten sein. Aber für alle Yachten gilt:  Sie müssen zu Crew und Revier passen!

So lernten wir zum Beispiel auch die Crew eines Wharram Katamarans kennen, die ihre Reise entlang der kalten und nassen Küste Neufundlands und Mains als „Horrortrip“ beschrieben. 

Und wir konnten uns ein Bild darüber machen, welche extreme Gefahr das Packeis der Nordwest Passage für einen großen Kat aus Serienproduktion darstellt. Packeis zwischen den Rümpfen bedeutete an Bord dieser Yacht unmittelbare Lebensgefahr.

Katamaran als Fahrtenyacht

Katamarane können auch dort noch bequem ankern, wo der Platz für viele Kielyachten nicht mehr reicht.

Bevorzugst du eine Einrumpfyacht für Langfahrt, gibt es auch hier verschiedenste Boote für verschiedenste Charaktere und Reviere. 

So kann für den einen Segler eine leichtfüssige Ozean-Regattayacht das Nonplusultra sein, während der andere auf eine stäbige Yacht mit schwerem Displacement und verkürzten Segelmasten schwört. 

Bekannte Beispiele gibt es im deutschsprachigen Raum genug: Zum Beispiel die Yacht FANFAN, die sicherlich ihre Fähigkeiten bei den Einhand-Fahrten bis in die Hohen Breiten gezeigt hat. 

Oder PATCHIMAMA, die wir zum ersten Mal in Alaska getroffen haben. Die sportliche Aluyacht ist seit vielen Jahren das Heim einer sechsköpfigen Bergsteiger- und Extremseglerfamilie aus der Schweiz, die mit ihr den Globus umrundeten und durch die härtesten Segelreviere der Welt reisten. Neben Reisen durch die schreienden Fünfziger des Pazifiks und in die Antarktis nahm PATCHIMAMA auch bei der Sidney Hobert Regatta teil (allerdings mit Crew) und ist dennoch hübsches Zuhause der aufgeweckten Familie, die sich wohl am Schiff fühlt. 

Segelyacht LA BELLE EPOQUE und PACHAMAMA

Unterschiedlich und doch in den selben Revieren unterwegs: Segelyacht LA BELLE EPOQUE trifft wiederholt auf PACHAMAMA

Allerdings verschweigt uns Dario auch nicht, dass die Familie bevorzugt mit gerefften Segeln unterwegs ist und gerne auf etwas Geschwindigkeit für besseren Komfort verzichtet. Auch sind die Kosten einer derartigen Yacht wohl kaum ohne Sponsoren tragbar.

Ein großer Teil an Fahrtensegler unterwegs setzt allerdings lieber auf Komfort als auf Sportlichkeit.

Viele starten lieber den Motor, als sich mit riesigen Leichtwindsegel herumzuschlagen. Und genügen Segler wollen auch nicht unaufhörlich im Hafen auf ideale Segelwinde warten. Sie nützen lieber ihren Motor bei leichte Winde und Flauten, anstelle wechselhafte Segelbedingungen zu riskieren. Ein hochseetauglicher Motorsegler kann für viele Weltreisende daher eine ideale Wahl sein.

Motorsegler auf Blauwasserreise

Auch ein Motorsegler kann eine passende Blauwasseryacht sein. Vorausgesetzt, die Yacht wurde auch für die Hochsee gezeichnet

Vielleicht liegt für dich die ideale Blauwasseryacht allerdings zwischen diesen beiden Extremen

Aber auch dann ist die Auswahl der Rumpfformen, Riggarten und Bauweisen riesig. So zum Beispiel hat die weitgereiste Yacht ISATIS unserer Freunde nichts mit einem Regattasegler gemein. Ihr flacher Boden und Schwenkkiel heben sie allerdings dennoch aus der Masse. 

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ISATIS ist bereits die dritte Blauwasseryacht unserer Freunde, die Verfechter von Schwenkkiel- Yachten sind und neben einer Weltumsegelung bereits viele Reisen in extreme Gebiete unternommen haben.

Besonders interessant fanden wir deshalb den Vergleich zu unserer eigenen traditionellen Langkielyacht LA BELLE EPOQUE, nachdem wir im selben Revier bei Schwerwetter unterwegs waren und wir als Crews durchaus vergleichbare Vorstellungen vom Hochseesegeln haben.

LA BELLE EPOQUE und ISATIS

Zwei Expeditionsyachten in der Arktis: ISATIS und LA BELLE EPOQUE treffen sich in Grönland.

Eine weitere, sehr interessante Hochseeyacht konnten wir in Grönland genauer betrachten: LA LOUISE vom Segelprofi Thierry Dubois. Der doppelte Vandee Globe Teilnehmer hat in LA LOUISE seine Erfahrungen und Ideen einer idealen Blauwasseryacht fließen lassen und so eine sehr gelungene Mischung aus Tradition und Moderne erschaffen. 

Die aus Holz und Kevlar-Karbon gebaute Yacht überrascht mit ihrem traditionellen Langkiel in Kombination mit einem Schwenkkiel. Thierry zeigte sich sehr positiv bestätigt von seiner Wahl und erklärte, dass LA LOUISE durch dieses Design sowohl schnell als auch ausgesprochen kursstabil segelt, außerdem zeigt sich ein sehr bequemes und sicheres Seeverhalten, da auf Hochsee der tiefreichende Schwenkkiel zusätzliche Sicherheit bietet. 

Thierry war überzeugt, dass für ihn ein kurzer Flossenkiel nicht für seine Fahrtenyacht in Frage kam, obwohl er die Schnelligkeit von Blauwasseryachten für sehr wichtig sah. In dem Zusammenhang sprach er allerdings davon, dass zufrieden stellende Etmale seiner Erfahrung nach nur mit großen Yachten gefahren werden können: Länge läuft eben.

Andere Skipper sehen in Langkielyachten den Nachteil, dass sie behäbiger zu manövrieren sind und mehr Platz für eine Wende brauchen.

Auch lassen sie sich rückwärts kaum steuern. Mit etwas Übung ist dieses Argument jedoch kaum noch gewichtig. 

Dennoch hat sich für viele Fahrtensegler der Flossenkiel durchgesetzt. Eine Yacht mit Flossenkiel ist leichter zu manövrieren und reagiert agiler auf das Ruder. Allerdings bietet diese Kielform dem Ruder keinen Schutz mehr. Fällt deine Entscheidung also auf eine Einrumpfyacht ohne Langkiel, muss die Yacht mit einer stabilen Ruderaufhängung konstruiert sein. Nur eine dreifache Lagerung des Ruders kann dieses Kriterium erfüllen. Ein Ruderskeg oder eine Ruderharke sind deshalb die Lösung für eine Blauwasseryacht. Ein Spatenruder oder freistehende Doppelruder sind keine Lösung für eine Hochseeyacht. 

Ruder Blauwasseryacht

Die Blauwasseryacht muss mit einem stabilen Ruder ausgestattet sein: A) klassisches Ruder auf Skeg einer Fahrtenyacht B) besonders stark gefertigtes Ruder einer Blauwasseryacht C) eine zusätzliche Ruderharke stellt sicher, dass die Yacht keine Leinen in den Propeller bekommt D) ein Spatenruder ist keine passende Lösung für eine Blauwasseryacht E) auch Yachten mit aufholbarem Kiel müssen mit einem stabilen und geschützten Ruder ausgestattet sein F) moderne Doppelruderanlanlagen sind verletzlich. Bei Kollision mit Treibgut kann es hier zur Katastrophe kommen.

Im Vergleich mit Langkielyachten können Yachten mit Flossenkiel schlechter beidrehen, da sie beigedreht weniger Schleppwasser erzeugen. 

Für große Fahrt über Ozeane sollte die Crew lernen, wie die ausgewählte Yacht am stabilsten beizudrehen ist, da diese Taktik bei Schwerwetter zur Notwendigkeit für kleine Crews werden kann.

Vorwiegend unter deutschsprachigen Seglern ist außerdem die Yacht mit Kimkiel für ausgedehnte Fahrten beliebt. Ihre Vorteile sind allerdings hauptsächlich in Tidenrevieren zu finden, da diese Yachten in der Regel leicht trockenfallen können. Nachteilig ist die schlechte Amwind-Eigenschaft dieser Konstruktion.

Welches Design auch immer du persönlich favorisierst: Um ein besseres Verständnis für die Unterschiede der einzelnen Konstruktionen aufzubauen ist es sinnvoll, dich mit den Grundlagen der Schiffskonstruktion zu beschäftigen. Ein interessantes Werk zum Thema ist zum Beispiel das Buch „Seetüchtigkeit – Der vergessene Faktor“ von C.A. Marchaj

Expeditionsyacht

Welche Yacht für dich die ideale Blauwasseryacht sein kann, entscheidet auch das Revier, in dem du unterwegs sein möchtest.