Die unaufhaltsame Yacht Teil 5: Navigation und Kommunikation

Ich stecke gerade mitten im Buch „Skeletons on the Zahara“ von Dean King (auf Deutsch bei Mareverlag erschienen unter dem Titel „Weiße Sklaven“). Und während mich der Schreibstil von King nicht besonders ins Buch ziehen will, so empfinde ich die wahre Geschichte aus 1815 doch bemerkenswert. 

Das Buch handelt von der amerikanischen Brigg „Commerce“, die vor Kap Bojador in Westafrika strandete. Die Besatzung überlebte zwar die Strandung, geriet aber anschließend in die Sklaverei.

Navigationsfehler, lange Segelstrecken ohne Sicht auf die Gestirne, zu wenig Information über Strömungen und Untiefen führten die Männer in ihren Untergang. Und damit waren sie auch gar kein Einzelfall.

Klassische Yacht Steuerrad

Unser heutiges Wissen über die Ozeane, über Wetter und Strömungen, kombiniert mit den modernen Navigationsmöglichkeiten, sind mit den eingeschränkten Mitteln dazumal kaum noch vergleichbar. 

Nur ein Grundsatz trifft dazumal wie heute auf alle Seefahrer zu: 

Navigationsfehler, Falscheinschätzung oder gar ein Ausfall der Navigation bringen ein Schiff auf Hochsee in größte Gefahr.

Die grundlegende Navigation an Bord der Hochseeyacht muss deshalb in allen Details redundant sein, zusätzlich muss alles für die Notfallnavigation an Bord sein.

Es genügt nicht, die neueste Elektronik mit sämtlichen, am Markt erhältlichen Schnickschnack zu verbauen, alles an Bord zu vernetzen, das Gerät mit Seekarten zu füttern.

Unserer Meinung nach genügt es auch nicht, neben der verbauten Elektronik einen Sextanten an Bord zu verstauen und anzunehmen, dass nun auch für den Notfall vorgesorgt ist.

Sextant
Einen Sextant an Bord zu haben, heißt noch lange nicht, für jeglichen Notfall in der Navigation vorbereitet zu sein!

Unverzichtbar setzt sich die Navigation einer Hochseeyacht aus mehreren Komponenten zusammen:

  • Naviprogramm und passende Hardware (Plotter oder Computer)
  • GPS
  • neueste elektronische Seekarten
  • Stromversorgung
  • Kompasse
  • Radar
  • AIS (mindestens Empfänger)
  • Echolot
  • Empfangsmöglichkeit für Wetterinformation
  • Seefunk
  • Fernglas
  • Kommunikationssystem für die Crew sowie hochwertige polarisierende Sonnenbrillen (für Sichtnavigation vor allem in den Tropen und in den hohen Breiten)
  • Alle erhältlichen Informationen übers Seegebiet (Küstenhandbücher, Strömungskarten, eventuell amtliche Informationen wie Coast Pilots,…)
  • Dazu sind am Markt weitere Messgeräte und Ausrüstung erhältlich, die unserer Meinung nach jedoch nicht zwingend an Bord sein müssen. Dazu zählen Multifunktionsgeräte, Windinstrumente, Geschwindigkeitsmessgerät, Temperatursensoren, Kameras,…
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Einfache Navigationsinstrumente
Die Navigation an Bord der Blauwasseryacht muss nicht tipmodern sein, aber ein Mindestmaß an Geräten ist zur sicheren Navigation durchaus notwendig.

Außerdem ist ein AIS an Bord auf keinen Fall ein Ersatz für das Radargerät. Ein Radar zeigt mehr als nur die AIS-sendende Schifffahrt und ist vor allem bei Nebel und teilweise nachts unverzichtbar.

Im Rückschluss würden wir heute aber auch auf einen AIS-Empfänger nicht mehr verzichten. Die Schifffahrt hat in allen Seerevieren zugenommen und das AIS hilft nicht nur, Kurs und Intension eines Schiffes zu erkennen, es hilft auch direkt bei der Kommunikation, da die Schiffe bei Namen und Rufnummer angerufen werden können und deshalb reagieren müssen.

Für eine Offshore gehende Yacht ist diese Ausrüstung allerdings nicht genug, da durch einen Ausfall die gesamte Navigation eingebüßt werden könnte.

Navigation LA BELLE EPOQUE
Wir bevorzugen die Navigation mittels Laptop. Das ist aber nur sicher möglich, da LA BELLE EPOQUE über ein geschütztes und trockenes Steuerhaus verfügt.

Um wirklich redundant zu sein, sind nun einige weitere Ausrüstungsgegenstände nötig, bevor die Yacht auf Hochsee geht:

  • Ein komplettes zweites Betriebssystem der elektronischen Navigation, das weder mit der Bordelektronik noch mit dem Internet verbunden ist. An Bord von La Belle Epoque handelt es sich dabei um zwei weitere Laptops samt GPS-Empfänger, auf denen die Navigationssoftware und Seekarten aufgespielt und überprüft ist. Einer dieser beiden Laptops wird wasserdicht verpackt aufbewahrt. Beide werden regelmäßig geladen und auf Funktion und Batteriestand getestet. Ein Smartphone mit Navigationssoftware ist unserer Meinung nicht genug.
  • Zwei voneinander getrennte Bordstromnetze. (Wir haben an Bord drei voneinander getrennte Stromnetze samt Batteriebänke verbaut: ein 12V Netz, ein 24V Netz und eine eigene Stromversorgung für den Motor.) Dies trifft vor allem zu, wenn das Stromnetz an Bord mit Lithiumbatterien betrieben wird, da es im Extremfall zu einen Komplettausfall dieser Batterien kommen kann.
  • Voneinander getrennte Möglichkeiten der Ladung aller Bordstromnetze
  • Einen Notfallgenerator
  • Ein batteriebetriebenes Hand-GPS-Gerät samt regelmäßig überprüfter Ersatzbatterien
  • Mindestens die Papierseekarten, um die wichtigsten Häfen anlaufen zu können. (Übersegler plus nötige Detailkarten) für die Notfallnavigation
  • Peilkompass
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Handgerät GPS
Ein GPS-Handgerät (und Batterien) müssen für die Notfallnavigation an Bord sein. (BEZAHLTE WERBEANZEIGE, Link führt zu Amazon)

Wir sind nicht der Meinung, dass heute immer noch alle verfügbaren Seekarten an Bord sein müssen. Für den Notfall genügt es, jene Seekarten an Bord zu haben, damit wir den Ozean weiterhin sicher überqueren können und die wichtigsten Einklarierungshäfen oder Ankerbuchten sicher einlaufen zu können.

Zählt ein Sextant samt Chronometer und allen dazugehörigen Tabellen ebenfalls zwingend zur Notfallnavigation?

Wir lassen diesbezüglich gerne jede Meinung gelten, sehen selbst aber keine Notwendigkeit, heute noch einen Sextant an Bord mitzuführen. Unserer Meinung nach gibt selbst ein gestörtes GPS genauere Positionsangaben als ein ungeübter Navigator mit Sextant.

Sicher bleibt: Soll ein Sextant an Bord für eine sichere Notfallnavigation sorgen, so genügt es nicht, das Gerät an Bord mitzuführen. Damit das Konzept funktioniert, müssen alle nötigen Unterlagen an Bord sein und der Umgang muss regelmäßig geübt werden.

Antennenmast
Weit reisende Blauwasseryachten haben heute meist diverse Antennen montiert.

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