T-Terminals im Rigg

T-Terminals im Rigg

27. Februar 2020 2 Von claudia und jürgen
Moin Jürgen,
…Weiterhin habe ich noch eine Frage zu deinem Buch „Segeln in den hohen Breiten“ , in dem du beschrieben hast, das T-Terminals im Rigg NICHT geeignet sind für solche Reisen.
Nach Rücksprachen mit meinem Mastbauer in […] ( mit dem ich zusammen gerade meinen 14m Selden Mast neu bestücke – auch mit T-Terminals ) sind wir beide auf deine Erfahrungen und Feedback dieser Aussage gespannt und würden uns auf eine kurze Rückmeldung freuen….
Beste Grüße, D.

Jürgen ist zwar gerade draußen, aber deine Frage bezüglich der T-Terminals kann auch ich (Claudia) dir beantworten.

Wir wissen, dass heutige Mastbauer diese Teile gerne einbauen, was aber für Fahrtensegler – vor allem für Fahrtensegler in schweren Revieren oder auf langer Fahrt – problematisch ist. Edelstahl im Generellen im Rigg ermüdet mit der Zeit, da die ständige Zug-und-Entzugbelastung für Edelstahl besonders belastend ist. Edelstahl zeigt keine Ermüdung, bis es schließlich Überbelastet ist und zu Bruch kommt (Dauerbruch). Das gilt erstmals generell für alle Edelstahlteile.

T-Terminals sind durch ihre Form einer erhöhten Belastung ausgesetzt. Und zwar genau an ihrer Biegung. In diesem Bereich muss das Material viel mehr standhalten. Und das Problem dabei ist, dass es das nicht kann. Das heißt, im Bereich der Biegung der T-Terminal ist daher eine „Sollbruchstelle“ in deinem Rigg verbaut, die du mit regulären Beschlägen („Laschen“) auf deinem Mast nicht hättest. Viele T-Terminals haben zusätzlich das Problem, dass sie sich im praktischen Gebrauch nicht über ihre Aufnahme am Mast bewegen. Selbst jene Bauform, die in Halbschalen liegt und dadurch Bewegungsradius hat, funktioniert in der Praxis leider bei vielen Riggs nicht. Funktioniert diese Bewegungsmöglichkeit nicht, dann werden die Terminals noch weiter belastet und ermüden noch schneller.

Dazu kommt, dass gerade schwere Metallyachten von sich aus schon enorme Belastungen im Rigg fahren. Durch das hohe Schiffsgewicht einer Metallyacht inklusive der ganzen Ausrüstung für extremere Reviere wird das Rigg belastet. (Positiv ist aber, dass unsere Stahldecks und -Konstruktionen dem Rigg nicht nachgeben, so wie das heutige GFK Boote machen. Schwere Metallyachten verwinden sich nicht, die Riggs können optimal getrimmt mit dauerhaft der richtiger Spannung in den Wanten gefahren werden. Das hilft, die Zug-Entzugbelastungen im Rigg ein wenig besser unter Kontrolle zu haben.)

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Da viele Masten für Freizeitboote mit T-Terminals gebaut werden, trifft man natürlich auch auf den Routen der Weltumsegler – auf der Barfußroute um die Welt, viele Yachten mit T-Terminals. Bedenklich ist aber, wie viele Rigg-Schäden wir im Laufe unserer Reise gesehen haben. Und die meisten Yachten unterwegs mit Mastbrüchen (die wir getroffen haben) hatten gebrochene T-Terminals. Oder zumindest wenn es um jene Yachten geht, die ihre Masten aus dem Wasser gefischt haben und wo die Ursache analysiert wurde. Und das hat den ganz einfachen Grund, dass die T-Terminals nicht rechtzeitig ausgetauscht wurden. Denn, so heißt es auch von Seiten der Rigghersteller, die T-Terminals müssen spätestens alle 25 000 Seemeilen getauscht werden. Und damit ist gesagt, dass eine Yacht es nicht einmal um die Welt mit einem Rigg schaffen kann. Mehrere Rigger in Neuseeland – allem voran die Vertretung von Selden-Masten in Opua – haben uns versichert, dass dieses Intervall von 25 000 Seemeilen ihrer Meinung nach zu großzügig ist. Die Selden Vertretung war sogar der Meinung, dass Blauwasseryachten und vor allem Yachten, die auf Weltreise unterwegs sind, T-Terminals jährlich austauschen müssen (oder, in Seemeilen ausgedrückt, alle 10 000 Seemeilen).

Und das macht für uns  den Gebrauch von T-Terminals als ungeeignet. Vor allem, wenn es um Fahrtenyachten geht. Denn einerseits bewegen wir uns (vor allem in den Hohen Breiten) in Gebieten, in denen wir ganz einfach keine Rigger zur Hand haben, die uns Jahr für Jahr Teile am Mast austauschen können, und andererseits kommt das auch Kostentechnisch für die wenigsten Segler in Frage. (Und ehrlich, ich kenne keinen Weltumsegler, der mit einem neuen Rigg losfährt und das Stehende Gut im Rigg auf halber Strecke wegschmeißt und ein neues kauft).

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Und wenn du dich darüberhinaus etwas umhörst und dir Yachten ansiehst, die für die Hohen Breiten gebaut wurden, wirst du in der Regel Riggs ohne T-Terminals finden. Auch bei modernen Yachten, wie zum Beispiel der Boreal Yacht, vielen Hutting Yachten und natürlich bei allen Einzelbauten, die wir in den Hohen Breiten angetroffen haben.

Natürlich kann man immer wieder dagegen halten, das viele Yachten auch mit T-Terminals um die Welt segeln oder die eine oder andere sogar in die schweren Seegebiete wie die Nordwest Passage vordringt. Immerhin sind da oben ja auch schon Katamarane und Großserienyachten durchgefahren, und ich wette, die eine oder andere hatte T-Terminals im Rigg. Aber das heißt noch lange nicht, dass das generell emfpehlenswert oder eine gute Idee ist.

Und was die Weltumsegler auf der Barfußroute betrifft: Als wir den Pazifik von Mexiko bis in die Südsee überquerten – also auf der Route der Weltumsegler – hatte die amerikanische Segelrally, die „Puddle-Jump“ (ähnlich beliebt wie ARC aber vergleichsweise billig) unter ihren Yachten knappe 40 % mit Rigg-Schäden. Da zählen zwar gebrochene Bäume mit, aber die Zahl zeigt ziemlich anschaulich, das dem Rigg von Segelyachten offensichtlich zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird und dass das Argument „Die meisten fahren mit Standardriggs und das funktioniert ja auch“ nicht gilt. Scheint ja so, dass es bei fast der halben Flotte Boote eben nicht funktioniert. (Klar, da sind nicht überall nur T-Terminals Schuld, gehören aber zu den Hauptschuldigen, auch laut Riggfirmen in NZ).

Alle Yachten, die wirklich und länger in den schweren Revieren unterwegs sind, sind in der Regel mit einem konventionellen Rigg mit Beschläge am Mast ausgestattet.