Isolierung von Metallyachten

Isolierung von Metallyachten

14. Januar 2021 0 Von claudia und jürgen
Ich möchte mal eine Frage Stellen die nirgends erklärt wird von Euch: Wie und mit was habt Ihr Eure Stahlyacht isoliert? Gib es da Probleme mit Rost hinter der Isolierung und auf was sollte ich achten bei der Isolierung aus Eurer großen Erfahrung im kalten Norden und natürlich jetzt auch im Süden ? … Mit herzlichen GrüßenSven

 

Metallyachten werden nicht nur zum Zweck der Wärmedämmung isoliert, sondern auch, um die Bildung von Kondenswasser zu verhindern und die Yacht trocken zu halten. Deshalb ist auch für Yachten, die vorwiegend in den Tropen reisen gute Isolierung und Belüftung interessant.

Am Markt werden verschiedene Materialien für die Isolierung von Metallyachten geboten. Die Möglichkeiten reichen dabei von der Verwendung von Schaum, über Styropor- und Styrodurplatten bis zu flexiblen Matten aus geschlossen porigen Isoliermaterial. 

Selbst die Isolierung mit Glaswolle wird von manchen Bootsbauer in Betracht gezogen, wobei dieses Material besser im Hausbau aufgehoben bleibt, da nasse Glaswolle hinter der Verkleidung einer Yacht nicht mehr austrocknet und damit Feuchtigkeit beim Metall hält.

Eine gute Isolierung ist nicht nur bei winterlichen Segelabenteuern wichtig. In den Tropen schützt die Isolierung vor Hitze und Schimmelbildung.

 

Da wir LA BELLE EPOQUE für alle Reviere ausgerüstet haben, wurde die Isolierung nach folgenden Standpunkten ausgesucht:

  • guter Isolierwert
  • Keine Aufnahme von Wasser
  • Für uns vertretbare Preis/Leistung

Die Tatsache, dass unser Schifferl vor der Restauration durch die verwendeten Styroporplatten keinerlei Probleme erlitt, wie auch unser begrenztes Budget, beeinflusste unsere Wahl an Isoliermaterial und -methode.

 

LA BELLEs alte Isolierung aus Styropor wurde von uns entfernt..

… hinter der alten Isolierung fanden wir keinerlei Rost oder Problemstellen

 

Wir wollten kein Styropor mehr, da es Wasser aufnehmen kann und entschieden uns für Styrodur Platten und Brunnenschaum. Diese Platten sind leicht erhältlich (in jedem Baumarkt) und billiger als speziell für Yachtbau angebotene Isoliermatten.

Das Isolieren mit Styrodur Platten war allerdings nicht leicht, da LABELLE eine Rundspant-Yacht ist und die Platten sehr steif sind. Mehrere Lagen dünne Platten sind daher einer dicken zu bevorzugen.

Noch vor Beginn der Isolierarbeit muss sämtliche Vorarbeit fertig abgeschlossen sein. Das heißt, der Lackaufbau am Metall unter der Isolierung muss abgeschlossen und genügend ausgetrocknet und alle nötigen Blindhölzer müssen an den Spanten montiert sein. Selbstredend müssen natürlich auch alle Schweißarbeiten auf Deck erledigt sein.

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Wir haben die Platten mit Kontaktkleber verklebt und zum Trocknen mit Hölzer eingekeilt. Danach haben wir mit einer Schaumpistole Löcher in die Platten gestoßen um eventuelle Hohlstellen dahinter noch mit Brunnenschaum zu füllen. Nachträglich gesehen würden wir heute auf den Kontaktkleber verzichten und gleich mit der Schaumpistole arbeiten. (Schaumpistolen werden im Hausbau verwendet und sind im Baumarkt erhältlich. Gegenüber herkömmlicher Schaumdosen mit Schlauch haben sie den Vorteil, den Brunnenschaum besser dosieren zu können und angebrochene Dosen auch mehrere Tage aufbewahren zu können.) 

Beispiel Schaumpistole bei amazon.de

Insgesamt haben wir das Boot mit 6cm Isolierung versehen, abgesehen von den Spanten, über die wir mindestens 2cm isoliert haben. Anfänglich haben wir die Spanten teilweise mit nur 1cm dicken Material isoliert. Im ersten Winter an Bord zeigte sich, dass dies zu wenig war. Wir mussten nacharbeiten und die Isolierung aufdoppeln, da an Stellen mit weniger Isolierung Kondenswasser auftrat. 

Vor allem Überkopf war die Arbeit des Isolieren zeitaufwändiger als vermutet.

Um die steifen Styrodur-Platten dem runden Rumpf anzupassen, haben wir die Platten über mehrere Stunden eingekeilt.

Eventuelle Lücken wurden anschließend mit Brunnenschaum gefüllt.

 

Über die Isolierung befestigten wir die Innenverkleidung aus 4mm wasserfest verleimten Birkensperrholz auf zuvor angebrachte Blindhölzer. Sämtliches Holz wurde von uns beidseitig lackiert, um Wasseraufnahme und damit Schimmelbildung zu vermeiden. Für die Deckenverkleidung verwendeten wir extra leichte Kunststoff-Paneelen aus dem Baumarkt. Diese Paneelen sind hohl und bringen dadurch zusätzlichen Isolierwert ohne extra Gewicht hoch im Boot zu verbauen.

Die Innenschoten aus Stahl sind nicht komplett isoliert, sondern nur einseitig mit 1cm Styropor-Platten und beidseitig im Bereich des Rumpfes. Allerdings ist die Schot zwischen Werkstätte und nicht beheizter V-Koje bei extremer Kälte hin und wieder mit dünnem Frost überzogen. Um dies zu vermeiden müsste diese Schot natürlich beidseitig isoliert werden. Die Schot zwischen beheizter Toilette und beheizter Eignerkabine ist ebenfalls nur an einer Seite isoliert, hat jedoch noch nie Probleme mit Kondenswasser gezeigt. 

Die gesamte Isolierung reicht nicht bis in die Bilgen oder den Motorraum. 

Woran wir nicht gedacht haben und was wir heute sicherlich anders machen würden, ist eine Isolierung des Fußbodens/der Bodenbretter. Vor allem im Bereich unter dem Tisch, da der nicht isolierte Fußboden ständig für kalte Füße sorgt. Allerdings ist ein isolierter Fußboden Wiederrum nur bei wirklichen Überwinterungen nötig. Wir helfen uns einfach mit einem dicken Teppich unter dem Tisch und im Stehbereich der Pantry ab. 

Wir wissen, dass die Isolierung von LA BELLE EPOQUE durchaus etwas dicker ausfallen hätte können. Zwar reichen die 6cm durchaus, doch taut Schnee auf Deck entlang der Spanten auf. Das zeigt, dass die 2cm Isolierung innerhalb der Spanten natürlich zu wenig ist. Aber da wir nicht zusätzliche Stehhöhe im Inneren des Bootes verlieren wollten. 

 

Auf Deck des beheizten Bootes bleibt der Schnee liegen – deshalb sind wir mit der Isolierung zufrieden.

 

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Mit der Materialwahl selbst sind wir aber sehr zufrieden. Im Vergleich zu teureren flexiblen Isoliermatten war unsere Isolierung deutlich leistbarer für unser Budget und bisher haben sich keine Problem- oder Schimmelstellen gezeigt. 

Die Isolierung hat übrigens auch in den Tropen sehr gute Dienste geleistet und LA BELLE EPOQUE hatte im Gegensatz zu vielen anderen Yachten keine Schimmelprobleme. 

Rost hinter der Isolierung war nie ein Problem und wir erwarten usn auch kein Problem, da aufgrund der Konstruktion der Yacht (LA BELLE EPOQUE wurde ohne Längsspanten gebaut) eventuelles Kondenswasser durchaus in die Bilgen ablaufen kann. Bei Stahlschiffen mit Längsspanten könnte aber eine Isolierung wie unsere durchaus zu Rostproblemen führen. 

 

 

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