Sicherheit an Bord – Teil 3

Sicherheit an Bord – Teil 3

23. Juli 2020 0 Von claudia und jürgen

Im ersten und zweiten Teil der Reihe haben wir darüber nachgedacht, was wir für die Crew an Deck und für die Yacht selbst tun können, um sie sicher durch die Weltmeere segeln zu können. Mehr dazu findest du in den Bericht SICHERHEIT DER CREW AN DECK und den zweiten Teil der Serie mit dem Thema SICHERHEIT DER YACHT. 

Sicherheit auf Yachten – Teil 1

Schon in der Konstruktion und der Ausrüstung der Hochseeyacht kann und sollte ein besonderes Augenmerk auf die Sicherheit der Yacht und Crew gelegt werden. Wir zeigen dir in den kommenden drei Folgen, worauf du achten kannst!

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Aber damit ist das Thema Sicherheit an Bord nicht abgetan, denn auch unter Deck muss die Blauwasseryacht so ausgestattet und eingerichtet sein, dass sie der Crew Sicherheit und Erholung bietet. Denn nur eine gesunde und ausgeruhte Crew ist eine einsatzfähige Crew!

Sicherheit der Crew unter Deck 

1. Gute Seekoje für die Freiwache

Vor allem bei Schwerwetter ist es essentiell, dass sich die Freiwache unter Deck sicher und möglichst bequem ausruhen kann, da gerade jetzt hohe Leistungen von der Crew gefordert werden. So ist eine gut geschützte Seekoje auf jeder Yacht nötig, die Koje muss möglichst mittschiffs sein, da hier die Yacht die erträglichsten Bewegungen macht. Leesegel können den ausruhenden Segler vor Sturz schützen. 

Auf vielen Yachten leider keine Normalität: Die Luken und das Deck über der Seekoje muss auf allen Kursen dicht sein, selbst wenn die Brecher übers Deck rollen. Nasse Seekojen und tropfende Verschraubungen durchs Deck halten den besten Segler von Schlaf ab und daraus resultierende Erschöpfung kann zu Fehlverhalten führen.

2. Seeklar stauen

„Roll over ready!“ – ist ein Grundsatz, nach dem alles in der Blauwasseryacht verstaut werden sollte. Bei leichten Bedingungen sind schlecht verstaute Gegenstände zwar kein Sicherheitsproblem, bestenfalls zerren klappernde Töpfe und hin und her rutschende Bücher an den Nerven der Freiwache. 

Nimmt Wind und See aber zu, können schlecht gestaute Gegenstände zu Wurfgeschossen werden und die Sicherheit der Crew ernsthaft bedrohen. Deshalb muss eine Blauwasseryacht so ausgestattet werden, dass alle Bodenbretter, Kästen und Schapps fest verschlossen und notfalls verschraubt werden können. Bücher, Kanister, Fernseher und andere Gebrauchsgegenstände an Bord müssen bei allen Bedingungen an ihrem Platz bleiben, auch dann, wenn die Yacht durchkentert. Fliegende Gegenstände bei schwerer See können die Crew ernsthaft verletzen! Diesbezüglich muss auch die Kartesische Aufhängung des Ofens hin und wieder kontrolliert werden. Diese Aufhängungen sind bei vielen Yachtöfen eher schwach ausgeführt und können über die Jahre verschlissen und brüchig werden.

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Immer öfter sieht man an Bord verschiedenen Yachten Messerblöcke – sie müssen selbstverständlich leergeräumt werden, bevor die Yacht den Hafen verlässt. Auch Glas an Bord muss so gestaut werden, dass unter keinen Umständen die Scherben durchs Schiff fliegen. 

Auch Bodenbretter müssen verschraubt oder gesichert sein

3. Eine Hand für dich, eine Hand für das Boot!

Stabile Haltegriffe im ganzen Boot verteilt helfen der Crew, sich auch bei kabelnder See sicher im Boot zu bewegen. Einfach mal durchs ganze Boot gehen und darauf achten, ob man bei jedem Schritt einen passenden Handgriff erreichen kann. Optimal gesetzte Handgriffe sind dort angebracht, wo Segler automatisch beim Stolpern die Hand hinbewegen. Desto größer die offene Fläche in der Kajüte ist, desto wichtiger werden stabile Handgriffe. Vor allem die großen Kajüten von Katamaranen haben hier oft ein Defizit, das zumindest mit Handgriffen entlang der Decke entschärft werden sollte. Denn die Aussage, ein Katamaran liegt ruhig genug in der See, dass Handgriffe nicht nötig sind, stimmt einfach nicht in jeder Situation.

Stabile Handgriffe im Boot verteilt

4. Ein sicherer Boden unter den Füßen!

Rutschfeste Stufen, die man auch bei Kränkung noch sicher begehen kann, sollten auf Blauwasseryachten selbstverständlich sein. Niedergangsleitern müssen so montiert werden, dass sie sich nicht lösen können. Stabile Haltegriffe sind vor allem am Niedergang besonders wichtig! 

Glanzlakierte Holzböden in der Yacht sehen zwar schick aus, können aber besonders mit ein paar Spritzer Wasser und etwas Kränkung im Boot zur wahren Rutschpartie werden. Und so gilt auch hier: besser etwas weniger hübsch und dafür sicher. Anstelle des Hochglanzlacks kann der Boden geölt werden oder es werden Antirutschstreifen aufgeklebt. Werden Bodenmatten ausgelegt, dürfen diese ebenfalls in keiner Lage zu verrutschen drohen. Auch dann nicht, wenn Wasser ins Boot kommt (zum Beispiel, wenn sich die Crew hastig das nasse Ölzeug überzieht…)

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5. Warm und trocken

Eine Heizung kann das allgemeine Befinden an Bord positiv beeinflussen und unterkühlte Segler neue Energie spenden. Auch ist es ratsam, für den Extremfall bequeme und warme Kleidung so gestaut zu haben, dass sie trocken bleibt und man die nassen Sachen wechseln kann. Deshalb haben manche Segler stets warme Trainingsanzüge in einem eigenen Plastikbox verstaut. Da eine Crew im Schwerwetter viel Energie verbraucht, sind leicht zu wärmende Lebensmittel und Energieriegel an Bord eine wahre Erleichterung. 

6. Ausreichend Sauerstoff

Wird die Yacht geheizt, ist auf die Belüftung zu achten, gerade bei Öfen mit offenen Feuer (wie Dieselofen oder Petroleumheizung) muss bedacht werden, dass Sauerstoff verbrennt und bei dichtem Schiff ohne Belüftung die Crew ersticken kann. Einen Bericht dazu haben Lin und Larry Pardey in ihrem sehr interessanten „Handbuch für Fahrtensegler“ veröffentlicht. 

Natürlich sind die von mir aufgezählten Aspekte keine vollständige Liste, da es immer wieder auf Yacht und Crew ankommt, wie die Sicherheit an Bord handgehabt wird. Doch hoffe ich, mit diesem Artikel einen Denkanstoß zu geben, damit Menschen am Meer nicht unnötig in Schwierigkeiten kommen. Klar ist, dass nur das Zusammenspiel einer sicheren Yacht und einer fähigen Crew ein schönes und unbeschwertes Reisen unter Segel ermöglicht. 

Sicherheit auf Yachten – Teil 2

Im zweite Teil der Serie geht es über die Sicherheit für die Yacht selbst. Dabei handelt sich dieser Bericht nicht über die grundlegenden Sicherheitsmerkmale von Bootsbau und Design selbst. Vielmehr geht es um die Sicherheit der Yacht im Blauwassereinsatz. Es ist eine Gedankensammlung, die für (fast) jeden Yachttype angewendet werden kann und die dennoch auf sehr vielen Yachten unterwegs nicht berücksichtigt wird.

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Sicherheit auf Yachten – Teil 1

Schon in der Konstruktion und der Ausrüstung der Hochseeyacht kann und sollte ein besonderes Augenmerk auf die Sicherheit der Yacht und Crew gelegt werden. Wir zeigen dir in den kommenden drei Folgen, worauf du achten kannst!

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