Worauf ist bei der Auswahl der Yacht, dem Proviant und beim Geld zu achten?

Worauf ist bei der Auswahl der Yacht, dem Proviant und beim Geld zu achten?

28. Juni 2020 0 Von claudia und jürgen
Hallo Jürgen, ich finde was ihr beide macht einfach nur genial. Die Welt auf diese Weise zu erkunden ist auch mein Wunschziel. Vielleicht kannst Du/Ihr mir ein wenig dabei helfen. Ich bin seit meiner Kindheit begeisteter Segler. Bis jetzt konnte ich mir diesen Traum noch nicht erfüllen, (…) aber jetz hält mich in Österreich nichts mehr.  Würde mich sehr freuen, wenn Ihr mir Tipps geben könnt und wir in Kontakt blieben. (…) Danke für die Rückantwort. PS.: Geniesst eure gemeinsame freie Zeit…Christian

Hallo Christian,
sorry dass du mit mir Vorlieb nehmen musst, aber Jürgen sitzt mehr als ungern vorm Computer am Schreiben. Aber da wir ohnehin die selbe Meinung bezüglich Segeln und Boote haben, kann auch ich dir auf deine Fragen antworten.

Ich habe vor einiger Zeit eine pdf über „Die ideale Blauwasseryacht“ zusammengestellt, der dir vielleicht ein wenig Anregung geben kann. Denn die Frage, welche Yacht wir für weltweite Fahrt empfehlen würden, ist nicht ganz so leicht zu beantworten. Wir selbst würden immer wieder eine Metallyacht aussuchen (ich immer Stahl, Jürgen Stahl oder Alu), aber das soll keine Empfehlung sein. Denn es ist wichtig, dass das Schiff sowohl zu den Fähigkeiten des Besitzers als auch zu seinen finanziellen Mitteln passt. Ein Boot, das einem ständig überfordert, sowohl in der Erhaltung wie auch in der finanziellen Erhaltung, kann das Schlimmste sein. Da wir dich ja nicht persönlich kennen, ist es schwer zu sagen, ob du mit viel Technik selbständig umgehen könntest, oder ob du ein simples Boot mehr genießen würdest. Und natürlich von welcher Preisvorstellung du ausgehst.

Neuseeland – Treffpunkt der Blauwasseryachten

 

Was Einrumpf-Yachten betrifft, würden wir beide immer wieder auf einen gemäßigten Langkiel und ein geschütztes Ruder zurückgreifen. Ein Flossenkiel käme für uns nur in Frage, wenn der Rumpf kein zu bauchiges Unterwasserschiff hat und wenn das Ruder gut geschützt hinter einer Ruderhake montiert ist. Wir sind keine Fans von Kimkielern oder Hubkielern, kennen aber genug Segler, die damit fröhlich unterwegs sind und sie gegen nichts anderes tauschen würden. Wir haben keine Erfahrungen mit Schiffen, deren Linien aus der Hochseeregatter kommen, fänden es aber spannend, ein hochseefestes Alu-Regattaboot in stärkeren Bedingungen zu erleben. Einrupfer sind verschieden wie Tag und Nacht und es kommt auf deine Persönlichkeit an, womit du unterwegs sein solltest: sportlich und schnell, dafür auch mal unbequem und hart, oder bequemer und Fehler verzeihend (und keine falsche Hoffnung, Fehler machen alle, die sich erst mal auf See gewagt haben). Ich schreib „bequemer“ und nicht „bequem“, weil viele Segeletappen und das Leben am Boot unterwegs hin und wieder einfach nichts mit „bequem“ zu tun hat. Ob die Yacht in die Welle schneidet oder aus der Welle springt kann aber unterwegs genug Unterschied machen, ob deine Crew bei dir bleiben will oder im nächsten Hafen aussteigt.

Auch kommt es aufs Gebiet an, in das du segeln willst. In den Tropen sind Katamarane wirklich gut unterwegs, sie bieten wunderschönen Lebensraum und Platz für Gesellschaft. In schwierigen Seerevieren sollte ein Kat-Besitzer schon wissen, was er macht und der Kat sollte so gebaut und ausgestattet sein, dass er auch was einstecken kann (Große Decksalons, unglaublich hohe Segeldruckpunkte, gläserne Schiebetüren und ähnliches ist dann schnell mal fehl am Platz). Was Kat betrifft bin ich dann ganz auf Jürgens Linie und mir persönlich käme nur ein Aluminium-Kat in Frage, aber wie gesagt, wir sind Metall-Freaks. Unsere Erfahrung mit Katamaranen: Vor dem Wind ist ein Kat ganz klar dem Einrumpfer überlegen, ab Halbwind wirds am Kat unbequem und am Wind hat er seine Schwächen.

Ein Katamaran auf Blauwasserreise

Die Wahl des Bootes ist mitunter auch beim Thema Geld unterwegs entscheidend: Manche Yachten benötigen mehr Pflege und ihre Technik benötigt mehr Wartung als andere (wir wissen zum Beispiel von Freunden, dass sie eigentlich jährlich eine Dichtung an ihrem Z-Antrieb wechseln müssen und schon alleine deshalb jährlich in die Werft gehen. Mit unserer altmodischen Welle gibt es keinen Extra-Grund, öfter als alle paar Jahre aus dem Wasser zu gehen. Das soll aber auch keine Empfehlung gegen diverse Antriebe sein, da wir das nur von einer einzelnen Yacht gehört haben und selber keine Erfahurngen damit haben). Aber auch manche Schiffe benötigen mehr finanziellen Einsatz als andere, um ihren Wert zu erhalten (Hochglanz-Lackierungen, Teakdecks,…). Und manche Eigner benötigen mehr Hilfe als andere, die Yacht auf Schuss zu halten.

Wartungsarbeiten

Nicht jede Werft lässt die Bootseigner selbst an der Yacht arbeiten. Auf abgelegene Routen kann Geld eingespart werden, wenn die Werften von lokalen Fischkuttern in Anspruch genommen werden.

Aber die Frage ums Geld ist natürlich nicht nur eine Frage der Bootswahl. Es kommt auch darauf an, wohin du eigentlich segeln willst (Einklarierungskosten und Cruising-Permits, Visa, Lebenskosten der verschiedenen Länder,…) und wieviel du an Land unterwegs sein wirst. Ob du bei Rallyes dabei sein willst und die Tage mit gemeinsamen Ausflügen mit anderen Yachties genießt, oder ob du lieber alleine segelst. Welche Versicherungen du haben willst und wie oft du nach Hause fliegen wirst. Ob du in Marinas liegen willst und ob du Restaurant- und Barbesuche als Highlight empfindest, oder ob du ohne diese Ausgaben auskommst.

Dein monatlicher Kostenpunkt wird aber auch davon abhängen, wie viel Technik du an Bord hast und von welcher Qualität, beziehungsweise wie gut du damit umgehen kannst. Das meiste Yachtzubehör wird dir früher oder später Nerven und Geld kosten, wenn du Ersatzteile benötigst. Viele Ausrüstungsteile scheinen mehr für die stilliegenden Yachten in den Häfen als für Yachten unterwegs gebaut zu sein. Vieles an Bord von Yachten bricht, weil die Eigner nicht damit umgehen können. Auch ist zu sagen, desto schwerer und größer deine Yacht ist, desto weniger verzeiht sie schwach dimensionierte Ausrüstung und desto weniger kannst du sie mit Standard-Yachtzubehör bestücken. (Unsere schwere La Belle Epoque mit ihrem massivem Rigg zieht anders am Ankergeschirr als eine Großserienyacht der gleichen Größe, um nur ein Beispiel zu nennen).

Deine Kommunikationskosten werden ein Thema werden, wenn du in jedem Land Internet und Telefon an Bord haben willst und wenn du lieber Satelliten-Telefon (wie zum Beispiel Iridium Go) und externe Wetter-Routing bezahlen wirst anstelle von Funk und Wetter selber lesen. Aber auch das ist relativ, denn Funk kann teuer in der Anschaffung sein und wenn man sich nicht intensiv damit beschäftigt oder das Thema einfach nicht verstehen kann, wird selbst die teuerste Funkanlage nie zuverlässig funktionieren. Es gibt kaum ein Land, in dem Jürgen und ich nicht bereits gebeten wurden, uns mal die Funkanlage einer durchziehenden Yacht anzusehen und den Eignern erklären, worauf sie achten sollten. Und falsch interpretierte Wetterdaten können noch viel mehr kosten als das teuerste Wetter-Routing durch Meteorologen (nebenbei ist so manches Wetterrouting auch alles andere als teuer und für viele Yachtcrews sehr zu empfehlen). Wir haben Yachten getroffen, die ohne der feinsten Ausrüstung an Bord nicht klar kommen würden (und auch nicht müssen) und andere, die sich mit einem kleinen Weltradio helfen. Aber auch da kommt es aufs Segelgebiet und auf die eigenen Fähigkeiten (und die eigene Vorsicht) an. Ich selbst würde niemals ohne erstklassiger Wetterversorgung in See stechen und ein Weltradio für Wetterfax ist mir zu wenig. Einen Versuch, über die Kosten auf Weltbesegelung zu berichten findest du in unserem pdf Kosten auf Langfahrt .

Proviantierung

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Proviant an Bord – was soll ich sagen, über dieses Thema kann man Bücher füllen und genau das hab ich auch gemacht. In meinem Buch „Bordversorgung heute“ habe ich versucht, die wichtigsten Aspekte zum Thema Proviant verständlich zusammen zu schreiben. Das Thema in einem e-mail zu beantworten ist kaum möglich. Aber ich kann sagen, desto mehr du dich mit dem Thema beschäftigen wirst, desto mehr wirst du das Leben an Bord genießen können und nebenbei wirst du auch mit guter Proviantierung Geld sparen. Denn jene Yachtcrews, die unterwegs von Dosenravioli und Co leben, lechzen nach Restaurantbesuchen und nützen jede Gelegenheit dazu.

Es tut mir leid, wenn ich deine Fragen nur sehr oberflächlich beantworten kann, aber du hast mit der Frage sehr komplexe Themen angeschnitten, die ganze Bücher füllen. Es gibt eben kein Rezept fürs richtige Blauwassersegeln und unsere Reisen und Erlebnisse auf den Meeren sind so verschieden wie wir Blauwassersegler selbst.

Schöne Grüße von Bord La Belle Epoque
Claudia

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