Das Deck der Blauwasseryacht – Teil 3: Das Seitendeck

Das Deck der Blauwasseryacht – Teil 3: Das Seitendeck

8. Oktober 2020 0 Von claudia und jürgen

Im dritten Teil der Serie zum Deck der Blauwasseryacht sprechen wir über das Seitendeck. Auch hier gehts wieder um einige Besonderheiten, die unserer Meinung nach nicht auf jeder gängigen Yacht bedacht werden.

Willst du vorab den ersten und zweiten Teil der Serie lesen, findest du die beiden Artikel hier:

Das Deck der Blauwasseryacht – Teil 1: Klampen und Klüsen

Gewaschenes Teak, poliertes Edelstahl, dazwischen weiß lackierte Deckflächen, die nur mit zartbesohlten Deckschuhen betreten werden dürfen. Doch das Deck einer Langfahrtenyacht muss einiges mehr können als nur schön zu sein. Denn neben Außenfläche und Sonnenterrasse ist unser Deck vor allem eines: unser Arbeitsplatz. In dieser Serie schreiben wir darüber, wie du dein Deck für Langfahrt vorbereitest…

0 Kommentare

Das Deck der Blauwasseryacht – Teil 2: Ankerrolle, Ankerklüse, Bugsprit und Bugbeschläge

Um sicher auf allen Weltmeeren unterwegs zu sein, muss die Yacht sowohl auf See als auch am Ankerplatz oder im Hafen Schwerwetter überstehen können. Die richtige Decksausrüstung trägt ihren Teil dazu bei. Im 2. Teil der Serie behandeln wir den Bug: Von der Ankerklüse bis zum Bugsprit und zum Vordeck.

0 Kommentare

Tankdeckel und Entlüftungen

Die gängige Meinung zu Tankdeckel ist, dass die Deckel mit dem Deck abschließen sollten, um Stolperfallen zu vermeiden. Für uns hat sich dies nicht bewährt. Nicht nur, dass es sehr unpraktisch ist, wenn die Dieseltanks oder auch die Wassertanks mit Kanister gefüllt werden – Kreuzschmerzen sind da vorprogrammiert. Auch ist es lästig, dass vor dem Wasserbunkern immer das Deck geschrubbt werden muss. Denn gerade beim Wassertanken sollte man tunlichst darauf achten, dass kein Schmutz vom Deck in den Tank gewaschen wird. 

Bei Einfüllstutzen, die mit dem Deck abschließen, kommt es während des Füllens immer wieder vor, dass die Tanks übergehen und das Trinkwasser übers Deck wäscht, wovon wieder ein Teil in den Tank läuft. Heute würden wir die Tankdeckel mit einem Stahlrohr mindestens so hoch wie das Schanzkleid bauen. Hätten wir kein Schanzkleid, würden wir die Tankleitungen entlang des Aufbaues wahrscheinlich in der Höhe des Kajütaufbaues gestalten.

Praktisch gestaltet: in erhöhte Tankstutzen können Trichter besser eingesetzt werden, Schmutz oder Wasser vom Deck kann nicht einfach in den geöffneten Tank Schwaben und nahe am Schanzkleid besteht auch nicht die Gefahr, sich die Zehen anzustoßen. Außerdem sind aufgeschraubte Tankdeckel unter allen Bedingungen (auch bei eisigem Deck) ohne Werkzeug zu öffnen.

Die Tankdeckel dürfen bei Yachten, die auch in kalte Reviere segeln, nicht aus Kunststoff sein, da sie durch die Kälte spröde werden und Brechen. Auch die üblichen Deckel, die Schlitze zum Öffnen haben, sind für eisige Reviere äußerst unpraktisch, da sie erst mit kochendem Wasser vom Eis befreit werden müssen, um sie mit dem zugehörigen Schlüssel zu öffnen. Wir haben unsere Dankdeckel umgerüstet und metallene Deckel mit Sechskant gefertigt. Diese lassen sich mit einem Ringschlüssel bei allen Wetterbedingungen öffnen!

Sechskant am Tankdeckel

Für die Entlüftung der Tanks wurden an Bord LA BELLE EPOQUE zum Halbkreis gebogene Rohre verbaut. Obwohl wir generell mit dieser Variante zufrieden sind, gibt es einen Nachteil: Bei einer Kenterung würden sie Wasser nehmen. Wir entlüften deshalb in extremen Seegebieten die Trinkwassertanks und den Tagesdieseltank im Inneren des Bootes. Die Belüftung der restlichen Dieseltanks können wir bei Bedarf verriegeln. 

Motorzuluft, Motorraumentlüftung

Die Lüftungsauslässe für den Motorraum müssen so konzipiert sein, dass sie auf keinen Fall Wasser saugen können. Damit muss die Motorzuluft an Deck so hoch als möglich untergebracht werden und gegen Wasser auf Deck, Regen und Gischt geschützt sein. Um selbst bei einer Kenterung keinen Wasserschaden am Motor zu nehmen, haben wir unsere Motorzuluft zum Abschließen gebaut. Erwarten wir Schwerwetter, unterbrechen wir den Motorzuluftschlauch im Boot (und lassen den Motor vom Inneren des Bootes Luft saugen), dann verschließen wir auf Deck den Einlass für die Motorzuluft. Auch die Motorraumetlüftung können wir für Schwerwetter dicht machen.

Unsere Motorraumentlüftung am Seitendeck ist verschließbar. So schützen wir das Boot vor Wassereinbruch bei Lage oder unruhigem Seegang.

 

Besser als am Seitendeck ist eine Motorraumzuluft an einer höheren Stelle. An dieser durchdachten Charteryacht ist die Zugluft in der Kuchenbude integriert worden.

Luken

Um genügend Licht und Luft ins Schifferl zu bekommen, sind an Bord vieler Yachten etliche Luken verbaut. Leider sind jedoch die wenigsten Luken so konstruiert, dass sie einen massiven Wellenschlag standhalten oder Einbruch trotzen können. Deshalb müssen Luken zusätzlich gesichert werden, speziell, wenn es sich um sehr große Luken handelt. Wir haben über unsere Luke am Vordeck einen Stahldeckel gebaut und sind mit dieser Lösung sehr zufrieden. Einerseits kann so das Vordeck bedenkenlos als Arbeitsplatz genutzt werden, andererseits kann die Luke darunter auch bei Regen einen Spalt zur Lüftung des Bootes  geöffnet werden. Auch der Einbruchschutz ist durch den Stahldeckel verbessert. An Bord GFK- oder Holzyachten könnten auch Deckel aus Sperrholz als Schutz für die Luken gebaut werden. Ist die Luke auch als Notausstieg aus der Yacht gedacht, müssen natürlich auch etwaige Deckel von innen zu öffnen sein.

Die große Luke am Vordeck ist mit einem zusätzlichen Metalldeckel, der versperrt werden kann, gesichert. Auch sämtlichen andere Luken am Vordeck und am gesamten Boot können von uns mit Sturmschoten gesichert werden.

Soll die Yacht für alle Seereviere ausgestattet werden, sind leicht montierbare Sturmschoten an allen großen Luken ratsam. In unserem Fall können Sturmschoten aus Aluminium mit wenigen Handgriffen hochgeklappt werden.

Anstelle von Luken können auch wasserfeste Deckel aus der Berufsschifffahrt eine Lösung für Öffnungen am Vordeck sein (hier die Vorlüge an Bord der WANDERER IV)

Genuaschinen und Segel-Holepunkte, Großsegelsicherung

An Bord LA BELLE EPOQUE sind zwei eher kurze Genua-Schinen verbaut, die wir ausschließlich  für die Genua verwenden, da sie für die Kutter-Vorsegel zu kurz ist. Deshalb haben wir uns an den benötigten Stellen direkt am Schanzkleid Aufnahmen für Blöcke geschweißt, durch die die jeweiligen Schoten gefahren werden. Eine stehende Lochleiste direkt am Schanzkleid erscheint uns als praktische Lösung.

Diverse Schotblöcke an Bord von LA BELLE EPOQUE

 

Noch besser: eine durchgehende Lochleiste sorgt für perfekte Hohlepunkte und Befestigungsmöglichkeiten.

Um den Großbaum zu sicher und gleichzeitig als niederhohler benützen wir zwei am Baum anschlagbare Taljen mit Bullenstander. Die jeweilige Talje wird eingeharkt, sobald die Yacht vom Wind abfällt und ein Traveller nicht mehr ausreicht.  Dadurch kommt auch der Bullenstander bereits ab Halbwind in Einsatz. Er ist über einen Blog am Vordeck zurück zum Cockpit umgelengt und wird über eine Schotwinde bedient. Dadurch ist das stufenlose Sichern des Baums möglich, ohne dass ein Crewmitglied auf Vordeck muss. Kombiniert mit der Talje arbeitet das System gleichzeitig als Niederhohler, ohne dabei einen Bruch des Baumes zu riskieren, da das System am Ende des Baums montiert ist und keine Spannungen in den Baum bringt.

Das Großsegel optimal und jederzeit unter Kontrolle.

Bis vor wenigen Jahren benützen wir zwei Taljen nach dem ersten Drittel des Baumes, um als Niederhohler und Bullenstander zu arbeiten. Dieses System hat sich über viele Jahre bewehrt. Nachdem wir aber auf ein Großsegel umgestellt haben, das nicht im Baum eingeschoren ist, hat sich gezeigt, das die beiden Taljen Biegung in den Baum gebracht haben. Deshalb haben wir sie abmontiert.

Unser altes System: zwei Taljen am vorderen Bereich des verstärkten Baums. Allerdings bringt dieses System erhöhte Belastungen in den Baum.

 

auch interessant...  Sicherheit auf Yachten - Teil 2

Im vierten und letzten Teil unserer Serie über das Deck der Blauwasseryacht werden wir vom Cockpit und vom Heck sprechen. Wieder wird dieser Artikel kommenden Donnerstag, den 15. Oktober 2020, auf dieser Homepage erscheinen.

Du möchtest den Bericht zum durchdachten Deck auf Blauwasseryachten nicht in Einzelteile lesen: kein Problem. Hier findest du den gesamten Bericht als PDF: Decksausrüstung zum gratis downloaden.

Du bist bereits auf Langfahrt gewesen? Gerne hören wir auch deine Erfahrungen und veröffentlichen sie im Anhang. Schreib uns einfach ein Kommentar!

 

Das könnte dich auch interessieren:

Das Deck der Blauwasseryacht – Teil 2: Ankerrolle, Ankerklüse, Bugsprit und Bugbeschläge

Um sicher auf allen Weltmeeren unterwegs zu sein, muss die Yacht sowohl auf See als auch am Ankerplatz oder im Hafen Schwerwetter überstehen können. Die richtige Decksausrüstung trägt ihren Teil dazu bei. Im 2. Teil der Serie behandeln wir den Bug: Von der Ankerklüse bis zum Bugsprit und zum Vordeck.

0 Kommentare

Das Deck der Blauwasseryacht – Teil 1: Klampen und Klüsen

Gewaschenes Teak, poliertes Edelstahl, dazwischen weiß lackierte Deckflächen, die nur mit zartbesohlten Deckschuhen betreten werden dürfen. Doch das Deck einer Langfahrtenyacht muss einiges mehr können als nur schön zu sein. Denn neben Außenfläche und Sonnenterrasse ist unser Deck vor allem eines: unser Arbeitsplatz. In dieser Serie schreiben wir darüber, wie du dein Deck für Langfahrt vorbereitest…

auch interessant...  Bordversorgung heute: Ernährung und Proviantierend an Bord von Fahrtenyachten
0 Kommentare

Die ideale Größe einer Blauwasseryacht

Die Größe der Blauwasseryacht wird auf unterschiedliche Weise das Leben an Bord, aber auch das Reisen selbst beeinflussen. Es ist sinnvoll, sich erst ein paar Gedanken zur Größe zu machen, bevor man sich für eine Yacht entscheidet.

0 Kommentare

Sicherheit auf Yachten – Teil 2

Im zweite Teil der Serie geht es über die Sicherheit für die Yacht selbst. Dabei handelt sich dieser Bericht nicht über die grundlegenden Sicherheitsmerkmale von Bootsbau und Design selbst. Vielmehr geht es um die Sicherheit der Yacht im Blauwassereinsatz. Es ist eine Gedankensammlung, die für (fast) jeden Yachttype angewendet werden kann und die dennoch auf sehr vielen Yachten unterwegs nicht berücksichtigt wird.

0 Kommentare

Sicherheit auf Yachten – Teil 1

Schon in der Konstruktion und der Ausrüstung der Hochseeyacht kann und sollte ein besonderes Augenmerk auf die Sicherheit der Yacht und Crew gelegt werden. Wir zeigen dir in den kommenden drei Folgen, worauf du achten kannst!

0 Kommentare