Die segelnde Kombüse: Petroleum, Gas, Diesel oder Strom?

Die segelnde Kombüse: Petroleum, Gas, Diesel oder Strom?

29. Oktober 2020 1 Von claudia und jürgen

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Kombüse einer Fahrtenyacht für die lange Reise auszustatten. Unterwegs findet man Kochfelder und Herde mit Petroleum, Gas, Diesel oder Strom als Energielieferant. Aber zu allen Wärmequellen kann man unterschiedliche Meinungen nachlesen, denn alle haben positive und negative Aspekte. Welchen Kochherd sollte man sich also in die Pantry einbauen, wenn man eine Blauwassersegelreise plant?

Für die Antwort dieser Frage gibt es kein richtig oder falsch, kein „nur dies oder jenes ist die Lösung“. Aber es gibt Erfahrungswerte, und davon wollen wir hier schreiben.

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Kochen an Bord mit Petroleum

Der „klassische“ Brennstoff in der Pantry ist mittlerweile nur noch auf wenigen Yachten anzutreffen. Das liegt daran, dass es nicht mehr ganz so einfach ist, sauberes Petroleum zu bekommen. Denn beim Petroleum an Bord gehts um Qualität: Verunreinigtes Petroleum verstopft die Brenner des Ofens und hinterlässt mehr Frust als warmes Essen. 

Deshalb haben Yachten, die mit Petroleum kochen, einen zusätzlichen Tank an Bord verbaut, um bei Möglichkeit für längere Zeit bunkern zu können. Dennoch ist mittlerweile das Proviantieren von Petroleum nicht mehr einfach. In vielen Ländern und auf vielen Inseln entlang der Blauwasserrouten ist Petroleum kaum noch zu beziehen. In manchen Ländern können sich Yachten noch mit Jet-Fuel abhelfen, aber auch der Bezug von diesem beinhalten oft genug einen Hürdenlauf.

Zusätzlich zum Petroleum selbst muss hochprozentiger Alkohol zum Vorglühen der Brenner an Bord sein.

Auch müssen Ersatzteile für die Brenner an Bord sein. Unterwegs hört man an Bord von Fahrtenyachten mit Petroleumkocher immer wieder eine Quelle für hochwertige Ersatzbrenner: die Schweizer Firma Bertschi – http://www.bertschi-petrol.ch 

 Da wir selber keine Erfahrung mit Petroleumkocher haben, kannst du  auf http://www.wilfried-erdmann.de/seemann/tip11_brennstoff.htm Willfried Erdmanns Erfahrungen zum Thema  nachlesen.

Der klare Vorteil von Petroleum im Vergleich mit Gas liegt darin, dass es „nur“ brennt und damit nicht explodieren kann. Allerdings bleiben Petroleumöfen und Heizungen nur bei richtiger Bedienung sicher. Diese Tatsache mussten wir feststellen, als die Schotheizung auf unserem ersten Fahrtenboot brennende Petroleumtropfen verteilte, nachdem unbemerkt der Druck im Petroleumtank gesunken war!

Kochen an Bord mit Gas

Kochen mit Gas gehört zu den gängigsten Varianten an Bord von Blauwasseryachten. Gründe dafür sind, dass Gas weltweit relativ einfach zu finden ist, aber auch, dass das Kochen auf Gas unkompliziert und schnell funktioniert. 

Allerdings hat Kochen mit Gas zwei Brennpunkte: Angesammeltes Gas im Boot kann zu einer Explosion führen und Gasflaschen noch Gasanschlüsse sind weltweit genormt.

Explosionen durch Gas sind auf Yachten selten und das Risiko kann fast gänzlich vermieden werden. Dazu ist wichtig, dass die Gasleitung durchs Boot generell ordentlich und dicht verbaut ist, und der Gasschlauch zum Ofen nirgends scheuern kann. Die Anlage sollte alle paar Jahre überprüft werden, um eventuelle Schadstellen rechtzeitig zu entdecken. 

Außerdem muss die Gasflasche so verbaut sein, dass sie bei Undichtigkeit nicht ins Bootsinnere Gas abgeben kann und bei Nichtgebrauch verschlossen werden kann. In der Regel werden deshalb Gasflaschen in einer eigenen Backskiste im Cockpit verbaut. Ein Staufach, an seinem tiefsten Punkt und im Deckel nach außen belüftet wird. So kann austretendes Gas schadlos verpuffen. 

Wird die Gasflasche nun unverzüglich nach dem Kochen direkt in diesem Staufach abgedreht, entsteht eigentlich im Bootsinneren kein Risiko. Zusätzlich kann ein Gasschnüffler im Bilgenbereich des Bootes verbaut werden.

Kochen mit Gas an Bord der LA BELLE EPOQUE

Damit bleibt noch das zweite Problem: die unterschiedlichen Flaschen und Anschlüsse von Gas weltweit. Wie beim Petroleum auch kann hier ein Vorrat für mehrere Monate an Bord angelegt werden. Einige Yachtcrews entscheiden sich dazu, geliehene Gasflaschen in die bordeigenen Flaschen umzufüllen. Dazu müssen entsprechende Anschlüsse mit an Bord sein. Nur in diesem Fall ist es sinnvoll, an Bord nichtrostende Flaschen aus Aluminium oder Komposit mitzuführen.

Wem das Umfüllen von geliehenen Flaschen in die Eigenflaschen zu gefährlich ist, der muss verschiedene Adapter für den Anschluss von ausländischer Flaschen am bordeigenen System dabei haben. Und hier zu unseren Erfahrungen mit Flaschentausch auf weltweiter Fahrt:

Wir haben immer mindestens zwei Flaschen mit je 9-11kg an Bord. Mit einer 11kg Gasfüllung können wir bis zu 3 Monaten kochen und backen. Dabei ist zu sagen, dass wir in der Regel zu zweit an Bord leben und ich gerne und viel Koche und Backe, dabei auch mindestens ein bis zweimal wöchentlich Brotbacke und immer wieder mal Lebensmittel einkoche.

Selbstgebackenes Brot gehört zum Alltag auf Blauwasser

Unsere Gasflaschenwechsel: In Dänemark wurde uns die österreichische Flasche gegen eine deutsche Flasche ausgetauscht. Das ist vermutlich so nicht üblich, wir haben Glück und einen sehr netten Verkäufer gehabt. In Norwegen wurde unsere deutsche Flasche gefüllt, zusätzlich kauften wir eine norwegische Flasche. In Island wurde auf einer Tankstelle unsere deutsche Flasche gegen eine isländische ausgetauscht (wieder Glück mit netten Verkäufer?). In Grönland hat uns eine neuseeländische Yacht die Norwegische Flasche gegen eine Amerikanische getauscht (wir befanden uns auf Gegenkurs). In Alaska haben wir eine zweite amerikanische Flasche gekauft und die deutsche einer anderen Yachtcrew geschenkt.

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In Kanada, USA, Mexiko, auf den polynesischen Inseln und in Neuseeland haben die amerikanischen Flaschen gepasst. In Neuseeland haben wir eine Flasche neu gekauft und eine rostige Flasche entsorgt.

In Chile konnten wir die amerikanischen Flaschen füllen, trotzdem haben wir noch eine Chilenische gekauft. Die chilenische Flasche wurde uns auf den Falklandinseln neu befüllt, während eine amerikanische Flasche noch gefüllt war. In Europa reichte damit unser Gasvorrat bis an die deutsche Küste, wo wir erneut auf deutsche Flaschen umstiegen.

Im Großen und Ganzen war für uns der Umstieg und auch der Neuerwerb von Gasflaschen nicht schwierig, lediglich in Chile haben wir den Anschluss mitsamt dem Druckregler umgebaut. Flüssiggas für Gasflaschen war eigentlich an den meisten Küsten eher leicht zu finden, lediglich in einigen wenigen Ländern ist das Kaufen von Flüssiggas umständlich oder teuer. Die Ausnahme bildet Campingaz, dies ist in der Regel teuer und außerhalb von Europa oder Nordamerika nur noch schwer zu finden.

Kochen an Bord mit Diesel

Es gibt zwei Varianten von Dieselkochern: 

Schiffsdieselöfen mit Schalenbrenner, wie zum Beispiel die Modelle mit Backofen von Dickinson: http://dickinsonmarine.com/product_cat/diesel-stoves/ und Kochöfen nach dem Prinzip von Gebläseheizungen zum Beispiel die Modelle von Wallas: https://wallas.fi/index.php?id=56

Die Dieselheizung an Bord ist gleichzeitig ein Dieselkocher

Da die meisten Fahrtenyachten Diesel an Bord mitführen, ist die Idee, mit Diesel zu kochen natürlich spannend. Diesel kann an vielen Küsten bequem per Schiffstankstelle gebunkert werden und ohnehin mit an Bord. Es besteht keine Explosionsgefahr und die Abgase werden nach außen geleitet. Doch haben beide Varianten von Dieselkochern ihre negativen Seiten:

Wir haben einen Dickinson Dieselbackofen an Bord. Er läuft zuverlässig und absolut sicher, jedoch wird er von uns nur in kalten Revieren eingesetzt. Denn der Ofen ist in erster Linie unsere Bootsheizung. Und da der Dickinson einwandfrei als Heizung funktioniert und neben der Kochmöglichkeit vor allem viel Wärme abgibt, würde ich ihn nur in Notfällen in tropischen Revieren starten wollen. Auch kommt dazu, dass der Ofen lange benötigt, bis er wirklich warm genug ist, um Wasser zu kochen oder Lebensmittel zu garen. Wer jedoch – so wie wir – gerne in kalten Seerevieren und in eisigen Jahreszeiten unterwegs ist, wird die Koch- und Backfunktion der Dieselkocher lieben.

In Revieren mit intensiven Fallwinden kann es immer wieder dazu kommen, dass Abgase ins Bootsinnere gedrückt werden. Das Problem kann mit diversen Abgashauben verringert werden, aber bisher haben wir keine Lösung gefunden, die ein gelegentliches „Reinpuffen“ gänzlich verhindert.

Wallas Dieselkocher an Bord der GREEN DUCK

Unterwegs haben wir wenige Yachten mit Wallas Dieselgebläse-Kocher getroffen. Und in Wahrheit keine einzige mit einem eingebauten Dieselbackrohr. Prinzipiell ist die Möglichkeit, mit einem weniger auf Heizleistung getrimmten Dieselkocher an Bord sehr reizvoll, allerdings haben sich einige negative Seiten gezeigt: 

Die Anschaffung eines kompletten Wallas Herd mit Backofen und Kochfeld ist bedeutend höher. Neben Diesel benötigt der Ofen außerdem etwas Strom. 

Wie bei einem Diesel benötigt der Herd eine eigene Abgasführung nach draußen und in Verbindung mit älteren Modellen sind gelegentlich Probleme bezüglich der mitgelieferten Abgasführung laut geworden. Ich kann nicht sagen, dass dieses Problem noch besteht. 

Ein weiteres Problem bei weltweiter Fahrt können die Einspritzdüsen dieser Dieselkocher sein. Ersatzteile an Bord und etwas technisches Verständnis bei weitweiter Fahrt mit einem Wallas an Bord wäre daher empfehlenswert. 

Da wir selber keine Erfahrung mit einem Wallas Herd haben, kannst du dir den Bericht von Ludger an Bord des Kats GREEN DUCK durchlesen: http://sygreenduck.blogspot.com/2013/08/erfahrungsbericht-wallas-dieselkocher.html

Katamaran GREEN DUCK

Als wir Ludger 2015 in der Südsee kennenlernten, hatte er immer noch Freude an seinem 2013 eingebauten Wallas Kocher, allerdings hat er zu dieser Zeit bereits zweimal seine Glühkerzen gewechselt: http://sygreenduck2.blogspot.com/search?q=wallas

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Auch muss dazugesagt werden, dass GREEN DUCK ein Katamaran ist, das heißt, die Kochplatte ist nicht kardanisch aufgehängt. Damit ist das Abgassystems starr verbaut und damit einfacher, außerdem läuft es nicht in Gefahr, bei Segeltursen hoch am Wind Wasser über die Seite abzubekommen. Ich denke, bei uns an Bord, wo die Kombüse tief im Inneren des Boots verbaut ist und der Ofen nicht allzuweit über der Wasserlinie schaukelt, wäre es schon etwas komplizierter, das Abgassystem so zu verbauen, dass es auch bei ordentlicher Schräglage kein Wasser abbekommt. 

Auch muss bedacht werden, dass die Küche kalt bleibt, sollte es zum Stromausfall an Bord kommen.

Kochen an Bord mit Strom

Gerade auf großen Yachten mit durchdachten elektrischen Anlagen trifft man immer häufiger auf Kombüsen ohne eigenen Brennstoff. Die Versorgung von sämtlichen Anlagen im Boot durch Strom hat natürlich seine Berechtigung und den Vorteil, nur einen Brennstoff (Diesel) an Bord mitführen zu müssen. Auch ist (ziemlich) jeder westliche Mensch mit dem Umgang von Stromkochöfen vertraut und so gibt es keine Berührungsängste – es kann auf Knopfdruck gekocht werden.

 In der Regel werden Induktionsöfen eingebaut. Allerdings genügt es nicht, einfach eine Induktionsplatte einzubauen und zu hoffen, dass die „normale“ Stromversorgung auf Yachten mittels ein oder zwei Solarpanelen und die dazu passenden Versorgungsbatterien genügen. Ein durchdachtes (und damit auch in der Anschaffung kostspieliges) Versorgungssystem muss an Bord eingebaut werden, da keine Blauwasseryacht von Landstrom abhängig sein kann. Auch ein dementsprechender großer Stromspeicher an Bord muss berechnet werden, will man nicht für jede Tasse Kaffee den Generator starten müssen.

Damit muss auch gesagt werden, dass die Kombüse kalt bleibt, sollte es zum Stromausfall kommen. 

Da wir selber nicht mit Strom kochen, will ich auch hier einen befreundeten Segler zu Wort kommen lassen: Martin Schiller stellt das Energiekonzept seiner INFINITY vor: https://sailing-yacht.de/2017/02/04/energiekonzept-segelyacht-infinity/#more-1929

Segelyacht INFINITY

Solltest du dich für den Einbau eines Induktionsherd aus der Haushaltsbranche in eine Einrumpfyacht entscheiden, empfehle ich dir, eine stabile kardanische Aufhängung für den Ofen anzufertigen. Auf weltweiter Fahrt wirst du sehr viel unterwegs auf Hochsee kochen und einen fest verbauten Ofen bald überdrüssig sein!

 

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