Sturmsegeln Spezial Teil 8 – GRIB-Daten

Sturmsegeln Spezial Teil 8 – GRIB-Daten

3. Juni 2021 0 Von claudia und jürgen

Faustregeln zur Verwendung von GRIB-Daten

GRIB-Daten werden alle 12 Stunden von Computeranlagen mittels aller verfügbaren Daten neu berechnet. Dennoch werden alle 6 Stunden neue Modelle veröffentlicht. 

  • Bevorzuge die Wetterdaten von 00:00 UTC und 12:00 UTC Uhr. Dabei handelt es sich um Wetteranalysen berechnet aus den neuesten Daten.

GRIB-Daten zeigen Großwetterlagen. Kleinflächige Auszüge sind schwer zu interpretieren.

  • Versuche, möglichst großflächige Wetterberichte an Bord zu empfangen. So entwickelst du ein Gefühl für bevorstehende Wetterlagen und anziehende Systeme. 
  • Beobachte, aus welcher Richtung in der Regel in deinem Seerevier Schlechtwetter anzieht und blicke in diese Richtung „voraus“. Zum Beispiel: Du willst nach Island segeln. Tiefdrucksysteme ziehen in der Regel von Kanada oder US-Ostküste kommend in Richtung Island. Betrachte also nicht nur die Wetterentwicklung von der Nordsee bis Island, sondern auch etwas westlich und südwestlich von Island, um einzuschätzen, ob sich in nächster Zeit Schwerwettersysteme entwickeln.

 

Aus unstabilen Wetterlagen können sich schwere Sturmsysteme entwickeln. Werden Grib-Daten über längere Zeiträume verglichen, können unstabile und damit gefährliche Wetterlagen rechtzeitig entdeckt werden:

  • Lade GRIB-Daten immer für 5 oder mehrere Tage herunter. Vergleiche jeden Tag, die vorausgesagten Veränderungen. Verändern sich diese Daten nur unwesentlich, kannst du mit den vorhergesagten Bedingungen planen und damit rechnen, dass sich die Großwetterlage im wesentlichen so entwickelt wie vorhergesagt. 
  • Werde vorsichtig und warte ab, wenn Wetterdaten keine konstante Entwicklung zeigen können.

GRIB-Daten, in denen Sturmsysteme 5 bis 10 Tage voraus angezeigt werden, können die zu erwartenden Windgeschwindigkeiten und die genaue Zugrichtung nicht gänzlich richtig zeigen. Sie bieten aber eine gute Grundlage für die Planung. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Systeme, die einen langen Zeitraum voraus angezeigt werden, durchaus eintreffen, allerdings meistens etwas abgeschwächt und mit leicht veränderten Zugrichtungen.

  • Nimm es ernst, aber lass dich nicht verrückt machen, wenn die GRIB-Daten in langer Vorausberechnung schweren Sturm anzeigen.

Schwachwindige Bereiche in GRIB-Daten können auf fehlende Information beruhen. Auch fehlen Informationen zu Gewitterböen, Konvergenzzonen, stationäre Fronten (shear lines) – sie werden in der Regel als windlose Gebiete angezeigt.

  • Lerne vor allem in tropischen Revieren über die Zusammenhänge von Konvergenzzonen und Starkwindböen, sowie über die Entstehungsgebiete von Gewitterwalzen.
  • Beurteile windlose Zonen, die nicht im Zusammenhang mit offensichtlichen Hochdruckgebieten liegen, nicht anhand der GRIB-Daten. Zusätzliche Wettervorhersagen sind nötig, um Gebiete mit schweren Böen erkennen zu können (Bodendruckanalysekarten)
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GRIB-Daten können mit verschiedene Wetterdaten heruntergeladen werden. Als Grundeinstellung hat sich bei uns an Bord ein Datenpaket als nützlich erwiesen, das Wind, Böen, Isobaren, Regen oder Bewölkung und primäre sowie sekundäre Wellen beinhaltet. 

  • Vergleiche die Daten Wind und Böen: Variieren die Böen-Geschwindigkeiten massiv von den durchschnittlichen Windgeschwindigkeiten, rechne mit einen Beaufort erhöhte Bedingungen
  • Zeigen die Daten massive Bewölkung, rechne mit erhöhten Böen
  • Zeigen die Daten kurze Wellen aus verschiedenen Richtungen, rechne mit massiven Seegang. Ebenso, wenn Wind und Wellenrichtungen nicht zusammenpassen.

Böen nicht übersehen! Während 30kts Rückenwind bei der Etappe von Patagonien nach Falkland Insel eine schnelle Überfahrt versprechen, wird es mit 41kts böiger Windgeschwindigkeit eine stürmisch raue Fahrt!

In GRIB-Daten sind Fronten manchmal nur schwer zu erkennen

  • Lerne die Grundlagen von Hoch- und Tiefdrucksysteme.
  • Vergleiche die Daten wenn möglich immer mit Bodendruckanalysekarten

Fronten sind teilweise nur schwer zu erkennen und die aktuellen Wetterbedingungen in der Front werden nicht angezeigt. Anstelle von Leichtwind sind in der Front durchaus böige, schwere Winde zu erwarten!

GRIB-Daten können die Wetterlagen in Hochdruckrücken, Tiefdrucktrögen, Teil-oder Randtief und in Verstärkungszonen nur ungenau anzeigen. 

  • Lerne Hochdruckrücken, Tiefdruckträge und Teil- oder Randtiefs in Wetterkarten zu entdecken, und rechne in diesen Gebieten mit erschwerte Wetterbedingungen
  • Folgt ein schnell ziehendes Tiefdrucksystem auf ein langsam ziehendes Hochdruckgebiet, rechne mit verstärkten Windbedingungen in der Zone zwischen ihnen.

Wenn GRIB-Daten leichte Bedingungen innerhalb Hochdruckrücken anzeigen, solltest du skeptisch bleiben!

GRIB-Daten beinhalten kaum lokale Küsteneffekte. Vor allem entlang bergiger Küstengebiete, in Fjordgebieten, bei Gletscher oder entlang Kaps können sich gefährliche Wetterbedingungen entwickeln, während die GRIB-Daten nichts davon zeigen. 

  • Meide bei unstabilen oder bereits schweren Wetterbedingungen vor allem Kaps 
  • Rechne mit verstärkten Windeffekten entlang von bergigen Küsten.
  • Lerne die typischen Windeffekte an Küsten verstehen und rechne mit ihrem Auftreten. Mehr dazu findest du in unserem Bericht Windeffekte an der Küste
  • In vielen Revieren geben Küstenhandbücher Informationen zu Windeffekten bei diversen Wetterlagen. Informiere dich vorab.

Windeffekte an der Küste und in Fjorden werden nicht angezeigt. Anstelle der hier gezeigten 5 Beaufort herrschen bei diesen typischen Wetterbedingungen in Patagonien Kapwinde, Flurwinde, Fallwinde (Rachas oder Williwaws) bis Sturmstärke sowie Flautengebiete.

GRIB-Daten können bis zu fünf Tage Seegangvorhersagen bereitstellen. Dabei werde aber massive Seen in Gezeitenreviere nicht korrekt beschrieben.

  • Verlasse dich in Gezeitenrevieren niemals auf die Seegangsangeben der GRIB-Daten, sondern verwende Strömungskarten und Tidenkalender.
  • Sei besonders vorsichtig beim Anlaufen von Gezeitenrevieren von Hochsee kommend.
  • Münden Flüsse in Ozeane, kann Flusströmung gegen Meeresdünung zu extremen Seegang führen. Vor allem, wenn das Geschiebe der Flüsse eine Untiefe an der Mündung erzeugt hat. Versuche, diese Häfen als erste Anlaufhäfen entlang fremder Küsten zu vermeiden.
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Selbst mit dem besten Wetterbericht können wir manchmal Stürme nicht vermeiden. Deshalb kommen wir in unseren nächsten Teilen zum Segeln im Sturm:

Sturmsegeln Spezial – Teil 9: Positionierung

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Hier findest du unsere bisherigen Berichte zur Serie:

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